Strausberger Porträts von A - Z
B
Dr. Rolf Barthel
(Historiker und Gründungsmitglied des Vereins Akanthus)
geboren 29.10.1932 in Frankenberg/Sachsen
gestorben: 9. Janaur 2023 in Strausberg
Rolf Barthel veröffentlichte mehrere grundlegende Darstellungen der Strausberger Stadtgeschichte sowie weitere historische Schriften.
D
Wolfhard Danicke
(Pfarrer und „Bekenner Christ“)
geboren: 01.01.1910 in Berlin-Rixdorf
verstorben: 16.11.1944
E
F
Paul Fischer
(Bürgermeister)
geboren: 11.01.1889
gestorben: 12.07.1937
Alfred Friedrich
(Flugpionier, Bertriebsinhaber)
geboren: 18.03.1891 in Berlin
gestorben: 13.10.1965 in Bad Kissingen
Carl Daniel Freydanck
(Vedutenmaler der KPM)
geboren 17.06.1811 in Berlin
gestorben 26.11.1887 in Strausberg
Johann Wilhelm Matthias Fubel
(Bürgermeister)
geboren: 05.12.1778 in Recksee
gestorben: 06.08.1855 zu Strausberg
G
Grubel, August Ernst
geboren: 07.04.1788
gestorben: 05.07.1851
Er war der Sohn des Stadtpfeiffers
1811 als Postschreiber angestellt.
1813-1815 Leutnant im zweiten Zug der Strausberger Landwehrkompanie
August Ernst Grubel war Kontrolleur des Brandenburger Landarmenhauses in Strausberg und ab 1839 Comissarius (Oberinspektor). Grubel war Major a. D. des Landwehr-Bataillons des 35. Infanterie-Regiments (ab 1861 Landwehr-Bataillon Wriezen Nr. 35).
Am 24. Januar 1848 meldetet die "Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen", dass "Grubel, Major a. D. Ober-Inspektor der Landarmenanstalt Strausberg" den "Rothen Adler-Orden vierter Klasse" vom König erhalten hat. Den Orden trägt Grubel auf dem Bild.

Caroline Grubel (geb. Heller)
geboren: 14. April 1800
gestorben: 17.12.1877
Sie war die zweite Frau von August Ernst Grubel.
Die Porträts sind Gemälde des Landschaftsmalers Carl Daniel Freydanck (1811-1887), der ab 1848 in Strausberg lebte.
Im Jahr 2010 wurde die Bilder mit einem weiteren Porträt von der Stadt Strausberg für das Stadtmuseum erworben. Alle drei Gemälde sind im Biedermeierzimmer des Stadtmuseums zu besichtigen.
H
Lilo Harder
(Schriftstellerin)
geboren: 22.06.1914 in Berlin
gestroben: 26.08.1999 in Nonnevitz/Rügen
Frau Lilo Hardel lebte und arbeitete als freie Schriftstellerin mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Gerhard Hardel (1912-1984), in den Jahren 1951 bis 1969 in Strausberg. Die Familie bewohnte das Holzhaus in der Thälmannstraße 111 in der Vorstadt, was Gerhard Hardel als die kleine Romanfabrik des Schriftstellerehepaares bezeichnete.
Frau Lilo Hardel schrieb in ihren Strausberger Jahren zahlreiche Kinder- und Jugendbücher, z.B. „Pieps und Hanna“, „Mariechens Apfelbaum“, „Die lustige Susanne“. Sie schrieb für ihre Töchter Claudia und Rose und für alle Kinder in der DDR. Als Autorin war sie Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR und wurde mit dem Nationalpreis, dem Vaterländischen Verdienstorden, dem Alex-Wedding-Preis sowie weiteren Würdigungen ausgezeichnet. Die Verbundenheit der Schriftstellerin mit Strausberg findet sich vor allem in dem im Jahr 1959 veröffentlichten Jugendbuch „Theater in der kleinen Stadt“ wieder, dessen Geschichte über eine junge Liebe in einer beschriebenen „Romanstadt“ viele Bezüge zu Strausberg aufweist. Von Strausberg zog das Schriftstellerehepaar nach Berlin. Später erwarb die Familie ein Haus auf Rügen, welches Frau Lilo Hardel in ihren letzten Lebensjahren bewohnte. Der Kinderbuchverlag gratulierte der Schriftstellerin zum 70. Geburtstag mit der Herausgabe eines ihr gewidmeten Buches mit dem Titel „Das Mädchen aus Berlin“.
Foto: privat
Literatur: Schornsheim, Kurt: Prominente in ihren Beziehungen zu Strausberg, Akanthus-Mitteilungen 19/2007
Schwarze, Dr. Reiner: Abhandlung „Das Mädchen aus Berlin“ in ihren Strausberger Jahren, 2000, Stadtmuseum Strausberg
Barbara Henniger
(Karikaturistin)
geboren: 9. 11. 1938 in Dresden
Die bekannte Karikaturistin lebt und wirkt seit mehr als 40 Jahren am Strausberger Annafließ. Der Blick auf die herrliche Aue gab damals den Ausschlag für den Kauf ihres „Hexenhäuschen".
J
Sigmund Jähn
(Kosmonaut und Generalmajor der NVA
Ehrenbürger von Strausberg)
* 13. Februar 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz
† 21. September 2019 in Strausberg
Dieser Prominente – „Der fliegende Vogtländer“ - ist seit 1979 Bürger unserer Stadt, die ihn 1982 zu ihrem Ehrenbürger ernannte.
Am erhielt er am 3. Mai 2012 zum zweiten Mal die Ehrenbürgerschaft von Strausberg.
K

Albrecht Christian Kalle
(Zeichner und Kupferstecher)
geboren: 18. Februar 1611 in Berlin
gestorben: 1679 in Strausberg
Er war ein Sohn des Buchbinders und späteren Buchhändlers und Verlegers Hans Kalle. Er lernte in Strausberg und war dann in der Zeit von 1630 bis 1670 als Zeichner und Kupferstecher tätig. 1636 wurde er Mitglied der Buchbinderinnung in Berlin. Nach dem Tod seiner ersten Frau, der Witwe des Berliner Advokaten Adam Pfuel, heiratete er die Strausberger Ratsherrenwitwe Diewitz geb. Blesendorf und erhielt 1647 in Strausberg die Stelle eines Stadtschreibers. Das Ehepaar wohnte im ehemaligen Mengersche Haus in der Müncheberger Straße (1945 zerstört). In Strausberg war er als Advokat, Richter und Ratsherr tätig.
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges belebte sich das Verlagsgeschäft wieder und Albrecht Christian Kalle konnte wieder als Kupferstecher für den Verlag seines Vaters tätig werden. Er schuf zahlreiche Porträts brandenburgischer und anderer Fürsten, bekannter Persönlichkeiten und anderen Peresonen, teils nach eigenen Entwürfen, teils nach Vorlagen anderer Künstler.
Herma Klar
(Museologin / Diplom-Ethnographin)
1943 - 2020
Frau Herma Klar studierte Museologie. Nach erfolgreichem Abschluss übernahm sie die Leitung des Heimatmuseums in Templin. Später erwarb sie im Hochschulfernstudium an der Humboldt-Universität Berlin den Abschluss als Diplom-Ethnographin. Im Jahr 1980 wurde Frau Herma Klar die Leiterin des Strausberger Heimatmuseums (heute Stadtmuseum). Ein Vierteljahrhundert lang widmete sie sich mit Leidenschaft der Forschung, Sammlung und Präsentation von Heimatgeschichte. Bei der Ausgestaltung des Museums war es ihr wichtig, dem Besucher neben der Wissensvermittlung auch den ästhetischen Genuss in einer stimmungsvollen Atmosphäre zu verschaffen. Sie war Mitglied des Museumsverbandes des Landes Brandenburg. Auf Initiative von Frau Herma Klar gründete sich 1993 in Strausberg der Verein „Akanthus“, dessen langjährige Vorsitzende sie war. Sie publizierte vor allem Aufsätze zur Strausberger Stadtgeschichte und bedeutenden Persönlichkeiten, z.B. dem Landschaftsmaler Carl Daniel Freydanck (1811-1887) oder dem Architekten und Bauunternehmer Otto Bertschy (1837-1903). Unvergesslich für alle die teilnehmen konnten, waren ihre Stadtrundgänge und zuletzt eine Führung über den St. Marien-Friedhof in der Berliner Straße.
Foto: Archiv Verein Akanthus Strausberg
Literatur: Brandenburger Museumsblätter Nr. 37, 01/2021

1933 Mitglied der Strausberger Frauensegelfluggruppe des Deutschen Luft-Verbandes.
Am 01.07.1937 vollbrachte Frau Ingeborg König unter ihrem Mädchennamen Wetzel in Palmnicken/Ostpreußen den Dauerweltrekord für Frauen von 18 ½ Stunden.
L
Otto Langenbach
(Bürgermeister)
geboren: 24.01.1901 in Hamburg
verstorben: 21.03.1977 in Berlin
Langenbach besuchte die Volksschule und erlernte danach den Beruf eines Druckers.
Im Jahre 1921 wurde er Mitglied der KPD. Langenbach war Teilnehmer am Hamburger Aufstand im Oktober 1923, der unter Führung von Ernst Thälmann stattfand, und wurde danach zu einem Jahr Festungshaft verurteilt.
Nach der Haft war er Inspekteur der"Roten Hilfe" und Bote bei der sowjetischen Handelsvertretung.
1934 wurde er erneut verhaftet und zu vier Jahren Zuchthaus und zu fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. 1938 wurde er aus dem Zuchthaus Brandenburg entlassen
Im Herbst 1944 siedelte er nach Strausberg. Am 26.04.1945 wurde er von der sowjetischen Kommandantur als Bürgermeister von Strausberg eingesetzt. Die Funktion des Strausberger Bürgermeisters übte Langenbach bis Mai 1949 aus und wurde Bürgermeister von Velten.
1952 schied Otto Langenbach aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben aus. Otto Langenbach verstarb am 21. März 1977. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof in Berlin-Lichtenberg.
K
Georg Kurtze
(Stadtverordneter)
geboren: 9. November 1872
ermordet: 2. Mai 1945
Oswald Münch
(Fabrikant)
Der Drechslermeister Oswald Münch gründete am 10. Oktober 1883 in Berlin eine Knopffabrik und führte sie dort bis 1900. Im Folgejahr zog er mit seiner Fabrik nach Strausberg. Jahrzehntelang galt sie in der Stadt als einziger wichtiger Industriebetrieb. Die Herstellung von Perlmutt-Knöpfen und Schnallen lief so gut, dass 1912 ein neues Fabrikgebäude errichtet wurde.
Während des Ersten Weltkrieges erfolgte die Produktion ohne Perlmutter. Nach Kriegsende übernahm Arthur Münch die sogenannte „Knoppbude“, wie sie im Volksmund genannt wurde. Als die Firma 1933 ihr 50-jähriges Bestehen feierte, beschäftigte sie bereits 200 Arbeiter. Mitte des Jahres 1944 kam es dann zur Stilllegung. Die Arbeiter mussten in der Munitionsproduktion des ortsansässigen Walzwerkes mitarbeiten.
Als Helmut Münch in den 50-er Jahren den halbstaatlichen Betrieb leitete, wurde mit Spritzgußmaschinen produziert, und das Ergebnis waren Knöpfe aus Plaste. Restlos verstaatlicht wurde die Firma
dann 1972. Entgegen einer früheren Zusicherung, durfte der Eigentümer nur noch ein Jahr als Betriebsleiter fungieren. Diese Entwicklung machte ihm gesundheitlich sehr zu schaffen. Die Familie
erklärte sich 1980 bereit, ihr Eigentum an Grund und Boden sowie Haus und Fabrik dem Staat zu überlassen und durfte ausreisen.
Im Jahr 1990 bekamen die Familie die Villa und Fabrik zurück. Da die Knopfmaschinen bereits fünf Jahre zuvor ausgebaut und verschrottet wurden, ließ Frank Oswald Münch von nun an verschiedene
Kunststoff- und Spritzgußteile herstellen. Die Produkte reichten von Möbelgriffen bis zu Kugellager-Ummantelungen. Der Firmenchef in vierter Generation beschäftigte 2004 gerade noch eine Handvoll
Leute. Heute ist die Produktion längst eingestellt.Das Stadtmuseum Strausberg präsentiert die Knopffabrik Münch in seiner Dauerausstellung. Die Grabstelle
von Emilie Münch ist auf dem St. Marien Friedhof in Strausberg erhalten.
N
Marie Nitschke
(Krankenschwester / Fürsorgerin)
geboren: 1842
verstorben: 1925 in Strausberg
Frau Marie Nitschke arbeitete in Strausberg als Krankenschwester und Fürsorgerin und war auch in der Provinzialschulanstalt tätig. Außerdem engagierte sie sich im Vaterländischen Frauenverein.
Verheiratet war sie, eine geborene Schmarbeck, mit dem Böttgermeister Otto Nitschke. Die Familie lebte in der Grünstraße 8 in der Strausberger Altstadt und hatte mehrere gemeinsame Kinder.
Frau Marie Nitschke war sehr bescheiden und nahm kein Geld für ihre Hilfeleistungen. In Strausberg genoss sie große Anerkennung und Beliebtheit.
Foto: Strausberger Zeitung, 1925
Literatur: Klar, Herma, Archivbilder, 2004
P
Alexander Perlitz
(Justizbürgermeister)
geboren: 18. Dezember 1743
verstorben: 12. Februar 1835
Alexander Perlitz absolvierte am 24. Oktober 1772 sein Examen als Referendar vor dem General-Direktorium. 1778 wurde er als „consul dirigens“ nach Strausberg versetzt. In seiner Funktion als „Justizbürgermeister“ bekleidete er nicht nur das höchste Amt der Stadtverwaltung, sondern war auch der oberste Stadtrichter. Bei seinem Amtsantritt stellte er fest, dass es „kaum ein städtisches Archiv oder eine Registratur gab; alte Dokumente waren ungeordnet in Tonnen und Kisten verstaut“. Durch seine Bemühungen, Ordnung zu schaffen, erwarb Perlitz nicht nur große Verdienste, sondern bewahrte auch wertvolle Informationen für die Nachwelt. Zwischen 1787 und 1825 verfasste er eine umfangreiche Chronik, die handschriftlich erhalten geblieben ist. Nachfolgende Historiker wie Seiffert, Sternbeck, Wels und Dr. Barthel nutzten diese Informationen in ihren Publikationen.
Durch die Städtereform, die vom leitenden Minister Karl vom und zum Stein erarbeitet wurde, erhielt Perlitz den Titel „Stadtgerichtsdirektor“. Auch Strausberg wurde durch die Reform ein weitreichendes Selbstverwaltungsrecht gewährt. Das Bürgerrecht war Voraussetzung für die Ausübung des aktiven und passiven Wahlrechts, das jedoch nur Männer mit einem bestimmten Mindesteinkommen (Zensus) in Anspruch nehmen konnten.
R
Dr. med. Gertrud Rossner
(Ärztin)
geboren: 03.08.1903
verstorben: 18.03.1984
Frau Dr. med. Gertrud Rossner praktizierte als Kinderärztin fünfzig Jahre in Strausberg und Umgebung. Ihr Beruf war ihre Berufung. Sie half, wann immer sie gerufen wurde und genoss ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Sie wurde mit "Fräulein Doktor" angesprochen.
Ihr großes Engagement als Ärztin wurde im Jahr 1976 mit der Ernennung zur Ehrenbürgerin der Stadt Strausberg gewürdigt. Die Seniorenwohnanlage in der Schulstraße 1, inmitten der Strausberger Altstadt, erhielt am 14.09.2006 den Namen "Dr. Gertrud Rossner Haus". Frau Dr. med. Gertrud Rossner hat ein Ehrengrab der Stadt Strausberg auf dem Friedhof (St. Marien) in Strausberg.
S
Felix Schulz
Aviatiker/
Flugpionier
geboren: 07.01.1878
verstorben: 26.09.1913
Felix Schulz Sohn des Textilfärbereibesitzers Oswald Schulz verbrachte seine Jugend in Strausberg. Nach dem Abitur ging er zur Handelsmarine und war u.a. als Kapitän für eine englische Gesellschaft tätig. 1904 trat er als einjährig Freiwilliger in die kaiserliche Marine ein und brachte es dort bis zum Oberleutnant zur See der Reserve.
Ende 1908 wurde er Mitgesellschafter, neben seinem Bruder Alfred, im väterlichen Betrieb in Strausberg.
1912 widmete er sich der Fliegerei in Berlin -Johannisthal und wurde Flugschüler der Flugschule A.H.G. Fokker Aeroplanbau . Im März 1913 wurde ihm nach erfolgreicher Prüfung die Flugzeugführererlaubnis Nr. 367 des "Deutschen Luftfahrerverbandes" ausgehändigt.
Im Frühsommer 1913 fand er bei der Firma“ Max Court, Fabrik und Fliegerschule" eine Anstellung. Am 26. September 1913 sollte Felix Schulz, der inzwischen als kühner Pilot galt, den Erstflug auf einem "Kühlstein-Torpedo-Eindecker", unternehmen. Es wurde für ihn zum Schicksalsflug. Er verunglückte tödlich.
Unter großer Anteilname der Strausberger Bevölkerung wurde er auf dem St.Marien Friedhof in einem Familiengrab beigesetzt. Felix Schulz war der 80igste Flieger nach Otto Lilienthal , der durch ein Flugzeugabsturz zu Tode kam.
Ernst Friedrich Willibald Bernhard Seiffert
(Oberlehrer, Historiker)
geboren: 31.01.1852 in Beeskow
verstorben: 31.12.1918 in Krotoschin
Er besuchte bis 1871 das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin. Nach erfolgreichem Abschluss der Berliner Universität war Seiffert ab Ostern 1875 Lehrer an der damaligen höheren Bürgerschule in Strausberg. Ab Mitte der 1880er Jahre beschäftigte er sich mit der Stadtgeschichte. Seine erste Schrift befasste sich mit der Entwicklung der Strausberger Schützengilde, deren Ehrenmitglied er wurde.
1888 erschien anlässlich des 300. Jahrestages der Schützengilde seine erste gedruckte Veröffentlichung. Ab 1889 durfte er mit Erlaubnis des Magistrats im Stadtarchiv arbeiten. Sein Ziel, die "eigentliche Geschichte Strausbergs abzufassen", konnte er nicht realisieren. Am 1. April 1893 schloss das Realprogymnasium und Seiffert war ohne Anstellung. Im gleichen Jahr wurde Seiffert Vorstandsmitglied der "Strausberger Eisenbahn" und führte als Verwaltungsvorstand die Geschäfte der "Strausberger Kleinbahn".
In diesem Jahr gab er im Auftrag des "Vorortvereins Strausberg" einen "Führer von Strausberg und Umgebung" heraus. Am 5. Oktober 1893 wählte die Stadtverordnetenversammlung Seiffart zum unbesoldeten Ratsherrn. Mehrere seiner Studien wurden auch außerhalb Strausbergs veröffentlicht.
Im April 1900 nahm er eine Oberlehrerstelle in Krotoschin (Kreisstadt im Regierungsbezirk Posen) an. Seiffart arbeitete dort weiterhin zu Themen der Stadtgeschichte. 1902 wurde er zum Professor ernannt und übernahm 1904 die Stelle als Stellvertreter des Direktors. Krankheitsbedingt wurde er Ostern 1918 pensioniert.
T
Manfred Tippmann
(Bürgermeister von Strausberg)
geboren.: 18. November 1926
verstorben: 15. April 2019
Nach dem Besuch der Volksschule seines Heimatortes absolvierte er von 1941 – 1943 die 1. Sächsische Gemeindebeamtenschule in Geyer. Danach erhielt er eine Anstellung beim Landrat in Annaberg als Verwaltungslehrling. Kurze Zeit später wurde er zum Regierungsinspektor-Anwärter ernannt.
Nach dem Reichsarbeitsdienst war er bis zum Kriegsende Angehöriger der Wehrmacht. 1944 erlitt er eine Verwundung und wurde darauf hin am 2. Mai 1945 aus der Wehrmacht entlassen.
Nach dem Krieg begann Manfred Tippmann seinen Verwaltungsdienst bei der Gemeinde seines Heimatortes. Später war er dann beim Landratsamt in Annaberg im Bereich Kultur tätig. Die Funktion des Bürgermeisters übte er in Jöhstadt–Niederwiesa und Flöha aus.
1969 wurde er in Strausberg zum Stellvertreter des Bürgermeisters und 1979 zum Bürgermeister gewählt. Diese Funktion übte er bis zum Mai 1989 aus und war dann Invalidenrentner. Bis Mai 1990 hat er als Halbtagskraft beim Vorsitzenden des Rat des Kreises die Aktualisierung des Generalbebauungsplanes für die Stadt Strausberg organisiert.
In dieser Zeit erfuhr er, dass es für die ehemaligen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst in den alten Bundesländern einen Interessenverband gab. Er setzte sich mit dem Landesvorsitzenden des Bundes der Ruhestandsbeamten, Rentner und Hinterbliebenen in Berlin in Verbindung. Dieser erklärte ihm die Wichtigkeit eines Interessenverbandes im Kampf um soziale Rechte. Nach dem Gespräch mit einigen ehemaligen Arbeitskollegen wurde im Juni 1990 der 1. Ortsverband in Strausberg gebildet, dem im Dezember bereits über 200 Mitglieder angehörten. Der damalige Bundesvorsitzende Hermann Lumm aus Mainz ersuchte Herrn Tippmann in anderen Orten zu versuchen, solche Ortsverbände zu bilden. Dem kam er gerne nach und so konnte im Frühjahr 1991 mit 25 Ortsverbänden und über 1200 Mitgliedern der Landesverband Brandenburg gebildet werden, zu dessen Vorsitzenden Herr Tippmann gewählt wurde.
In den folgenden Jahren entwickelte sich der Landesverband mit 87 Ortsverbänden und über 5300 Mitgliedern zum drittstärksten Landesverband im BRH, der Mitglied des Deutschen Beamtenbund war.
Er nahm Kontakt zur Landesregierung Brandenburg, vor allem mit dem Sozialministerium und dort mit Ministerin Dr. Regina Hildebrandt auf. Aufgrund seiner Anregung stimmte die Ministerin zu, den Landesseniorenbeirat zu gründen, zu dessen Vorsitzenden er gewählt wurde. Es wurden Seniorenbeiräte ins Leben gerufen, derer es heute über 150 im Land Brandenburg gibt. Es wurde angeregt, als einen Höhepunkt die Brandenburgische Seniorenwoche aus der Taufe zu heben. Dazu wurde ein Förderverein gebildet, dessen Vorsitzender er ebenfalls wurde.
Ministerpräsident Dr. Manfred Stolpe reagierte auf den Vorschlag, jährlich einen Tag des Ehrenamtes für Seniorinnen und Senioren zu veranstalten, um jeweils 300 aktive ältere Menschen zu einer Veranstaltung einzuladen und ihnen für ihr Engagement zu danken. Dem kommt heute noch Ministerpräsident Platzeck nach.
Infolge schwerer Krankheiten musste Herr Tippmann die Funktion des Vorsitzenden des Landesseniorenbeirates 1999 und die des BRH-Landesvorsitzenden 2003 abgeben.
Den größten Erfolg, den die BRH erzielte, war die Beseitigung eines Teils des Rentenunrechts im Rentenüberleitungsgesetz. Der Bundestag musste aufgrund eines von diesem Verband erwirkten Urteils das Rentenüberleitungsgesetz überarbeiten.
Im Ergebnis dessen wurden die erfolgten Rentenkürzungen und teilweise Einstellung der Rentenerhöhungen aufgehoben und die Betroffenen aus dem öffentlichen Dienst erhielten spürbare Rentennachzahlungen bzw. Rentenerhöhungen und wurden den normalen Rentnern gleichgestellt.
In Anerkennung seiner ehrenamtlichen Arbeit im Landesseniorenbeirat und im BRH war er Gast zum Neujahrsempfang 1996 beim Bundespräsidenten Herzog, zu dem 60 verdienstvolle Bürger eingeladen waren.
Bundespräsident Rau zeichnete ihn am 27.07.2002 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande aus.
Quelle: https://www.stadtwiki-strausberg.de/index.php?title=Manfred_Tippmann
(leicht gekürzt)
W
Dr. Kurt Wels
(Lehrer und Museumsdirektor)
geboren: 22. April 1890
verstorben.: 21. Februar 1974
Im Jahr 1919 kam Dr. phil. Kurt Heinrich Gustav Wels nach Strausberg. Als Lehrer für Geschichte und Deutsch unterrichtete er an der Oberrealschule. Er leitete das Heimatmuseum Strausberg bis 1945. Dr. Wels prägte die Sammlung und Ausstellung maßgeblich. Zudem verfasste er mehrere Publikationen zur Stadtgeschichte und gründete den „Verein für Heimatkunde Strausberg und Umgebung“. Außerdem war er Archivar des Magistrat von Strausberg. Nach dem Krieg setzte Dr. Wels seine Lehrtätigkeit in Berlin (West) fort.
